Gemeinsam mit der Kinderoper Ruhr

Unser Projekt: Im April waren wir mehrere Jugendliche der Musikschule Sofia/Bulgarien zu Gast, und haben mit uns den „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens eingeübt.

Auf den Unterseiten finden Sie die dazugehörenden Kritiken der Aufführungen in Mühlheim und Schwerte. Allen Gasteltern, Spendern und Sponsoren vielen, vielen Dank für die Unterstützung!


Kritik

Karneval der Tiere – mal ganz anders

Der Titel „Karneval der Tiere – mal ganz anders“, mit dem die Kinderoper Ruhr wirbt, verspricht eine ganz neue Interpretation. Camille Saint-Saëns` Kammermusikwerk ist ja mit seiner witzigen Charakterisierung verschiedener Tiere sehr bekannt und bei Jung und Alt beliebt. Doch was ist mit „ganz anders“ wohl gemeint?

Nach der bekannten Introduktion, gespielt vom Westfälischen Jugendkammerorchester unter der Leitung von Barbara Stanzeleit, eröffnet nicht etwa der Löwe mit seinem königlichen Marsch diese Inszenierung von Ingrid Maria Armelung. Nein, der Zuschauer erhält Einblick in ein Mülheimer Kinderzimmer, in dem Lisa einen Musiktest vorbereiten will. Genervt vom kleinen Bruder Felix will sie schon aufgeben, als Camille Saint-Saëns, dargestellt von Robin Grunwald, höchstpersönlich per selbstgebauter Zeitmaschine anreist. Widerwillig lassen sich die beiden Kinder auf die Geschichten des Gastes ein. Dieser erzählt von seiner Inspiration für seine parodistische Darstellung der Schildkröten durch Jacques Offenbachs „Can can“ und lässt sie mit Hilfe seines Zauberstabs an seinen Erinnerungen teilhaben. Armelungs sehr einfach gehaltene Rahmenhandlung lässt Lisa und Felix eine, Saint-Saëns Kompositionen inspirierende, Reise nach Afrika nachempfinden, bei der sie viele Tiere beobachten und sogar seine Frau kennenlernen. Auf der Bühne werden diese Tiere in aufwändigen Kostümen von Gymnastikgruppen hauptsächlich durch elementare Bodenturnübungen dargestellt. Durch digitale Hintergrundprojektion und akrobatisch akzentuierte Figuren bietet sich dem Zuschauer ein farbenfrohes Bild.

Das Westfälische Jugendkammerorchester, das zu diesem Anlass extra bulgarische Gast-Instrumentalisten eingeladen hat, bereitet dabei dem Zuhörer einen musikalischen Genuss. Zu feierlichem Streicherklang erinnert sich Saint-Saëns an die Löwen, mit Martin Markovs Kontrabass-Solo werden die Elefanten vorgestellt und Vogelgezwitscher erklingt durch die virtuos gespielte Flöte von Mila Tsankova. Selbst Fossilien werden durch Boris Boudinov am Xylophon wieder zum Leben erweckt. Das überragende Spiel der Pianisten Prof. Dr. Filip Pavlov und Vasil Topalov macht beispielsweise nicht nur Löwengebrüll, sondern sogar glitzerndes Wasser hörbar.

Doch mit Camille Saint-Saëns Erinnerung an die musikalische Umsetzung des Schwans kehrt auch seine Liebe zu seiner Frau zurück. Er reist mit ihr zurück in die Vergangenheit und verlässt Lisa und Felix.

Nun fragt sich der geneigte Musikliebhaber zu Recht, wie aus diesem Kammermusikstück eine Oper wird. Armelung bemüht dafür den selbst durch Umdichtungen des Textes unzerstörbaren Charme dreier Arien aus Mozarts Zauberflöte: Hauptfigur Camille Saint-Saëns ruft mit der Sarastro-Arie „In diesen heiligen Hallen“ zu friedlichem Umgang miteinander auf und bekundet seine Liebe zu seiner Gattin Marlene mit Hilfe der Papageno-Arie „Ein Mädchen oder Weibchen“. Für die abschließende Darbietung des Duetts „Bei Männern, welche Liebe fühlen“ bindet Armelung für den Pamina-Solopart einen leider überforderten Kinderchor ein. Warum der Komponist von dreizehn Opern ausgerechnet Mozart zitiert, bleibt jedoch unbeantwortet.

Die sich ergebende Kollage aus Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“, Offenbachs „Can can“ und Mozarts „Zauberflöte“ ist, begleitet von wunderschön gespielter Musik, sicherlich für die teilnehmenden Schulkinder eine schöne Schauspielerfahrung, jedoch als Inszenierung – genau wie der Titel verspricht – ganz anders.